Wohnmobile, WSPR und ein Grill: Unser HB9AF-Funkertreffen 2026

Es ist Sonntagabend, die Womos sind wieder auf ihren Heimplätzen, und ich sitze mit einem Kaffee vor dem Logbuch. Drei Tage beim HB9TG in Schweizerholz, Freitag bis Sonntag, und ich muss es einfach so sagen: Das war eines der schönsten Funkertreffen, die wir als HB9AF bisher hatten.

Bevor ich erzähle, was wir alles angestellt haben, zuerst das Wichtigste. Danke an alle Ehrenmitglieder und Vorstandsmitglieder, die gekommen sind. Dass ihr euch das Wochenende freigeschaufelt habt, ist für einen kleinen Verein wie unseren nicht selbstverständlich. Ohne euch wäre es ein Zeltlager mit Funkgerät gewesen. Mit euch war es ein Treffen unter Freunden.

Dabei waren Daniel HB9HWG, Tobias HB9HTZ, Mark HB9DRN, Marco HB3YJY mit seiner Frau Michaela, und ich, HB9HJI.

Der Womo-Park vor dem Clubhaus, im Hintergrund der Beam des HB9TG
Der Womo-Park vor dem Clubhaus, im Hintergrund der Beam des HB9TG

Freitag: Der Womo-Park wächst

Wer uns kennt, weiss, dass wir nicht in Zelten schlafen. Am Freitagnachmittag rollte ein Wohnmobil nach dem anderen auf die Wiese, und irgendwann stand da ein kleiner Park aus Hymer, Fiat und einem Reisebus, der eher nach Tournee als nach Funk aussah. Kabeltrommeln raus, Landstrom verteilt, und dann das, was bei uns immer zuerst kommt: Antennen.

Mast aufstellen ist bei uns ein Ritual mit zwei Leuten, drei Abspannungen und mindestens einer Diskussion, ob der Winkel jetzt stimmt. Am Ende standen ein End-Fed, ein Buddipole und zwei Dipole auf der Wiese, dazu später noch etwas ganz anderes, aber dazu weiter unten.

Mast mit Abspannungen auf der Wiese
Mast mit Abspannungen auf der Wiese

Welche Antenne ist besser? Wir haben es nachgeschaut

Ich habe im August im WSPR-Beitrag geschrieben, dass ich Antennen lieber messe als schätze. Am Samstag konnte ich das vor Publikum durchziehen. Das WSPR-Modul in HAM-Tools läuft mit dem IC-705 über CAT, Band setzen, Session starten, und die App sammelt, wer mich hört und wen ich höre.

Auf 20 m kamen in einer knappen halben Stunde 51 Spots von 31 Stationen zusammen, quer durch Europa, ein Ausreisser nach WA3ITR über den Atlantik, und auf der «Wer hört mich»-Karte tauchte irgendwann VK5ARG in Südaustralien auf. Der Moment, in dem alle am Tisch kurz still waren.

Dann der Teil, für den ich das Modul eigentlich gebaut habe: Vergleichen. Eine Session mit dem Buddipole, eine Session mit dem End-Fed, beide auf 20 m, und HAM-Tools rechnet aus, wie die Stationen, die beide Male zugehört haben, die zwei Antennen gesehen haben. Sechs Stationen hatten beide gehört, das End-Fed lag im Schnitt 4,8 dB vorne. LZ2RKG und GM4HYG meldeten je 8,5 dB mehr, YL1VA dagegen 12 dB weniger. Das ist WSPR: ein Durchschnitt aus lauter Einzelfällen.

Ehrlich dazu: Das war eine Vorführung, keine Messung, auf die ich etwas bauen würde. Die beiden Sessions lagen eine halbe Stunde auseinander, die Reports waren noch nicht vollständig geholt, und die Ionosphäre fragt nicht, ob wir gerade vergleichen. Aber genau darum ging es an dem Tisch. Zeigen, wie man in zwanzig Minuten von «ich glaube» zu einer Zahl kommt. Die richtige Vergleichsmessung mit sauberen Bedingungen kommt noch, das habe ich im WSPR-Beitrag versprochen und ich stehe dazu.

WSPR-Modul, Session 20260905, 51 Spots von 31 Stationen
WSPR-Modul, Session 20260905, 51 Spots von 31 Stationen
Der Vergleich Buddipole gegen End-Fed
Der Vergleich Buddipole gegen End-Fed
Wer mich hört: bis VK5ARG in Australien
Wer mich hört: bis VK5ARG in Australien

Mail ĂĽber Funk, diesmal aus HAM-Tools

Und dann der Punkt, auf den ich mich am meisten gefreut habe. Im August habe ich Skywave vorgestellt, meinen Winlink-Client für den Mac. Am Samstag ging die erste Mail über ARDOP nicht aus Skywave raus, sondern direkt aus HAM-Tools. Funkgerät am USB-Kabel, ARDOP-Modem im Hintergrund, Mail schreiben, senden, und dann warten, bis HB9AK als Gateway die Verbindung annimmt und die Mail abholt. Kein Internet, kein Handy, nur Kurzwelle.

Ich habe versprochen, dass der nächste Winlink-Beitrag kein Release-Text mehr wird, sondern die Geschichte aus dem Alltag. Die kommt, und sie fängt mit diesem Wochenende an.

Contest nebenbei, mit 5 Watt und mit 100

Am Samstag lief der IARU-Fieldday in SSB, und wir haben ihn genutzt, ohne selbst in die Wertung zu gehen. Die Fieldday-Stationen sind dankbare Gegenstationen: Sie rufen laut, sie hören gut, und sie freuen sich über jeden Anruf. Wir haben sie ins Log genommen und dabei HAM-Tools im Betrieb gezeigt, am Campingtisch unter dem Vordach.

Nebenbei haben wir beides gefahren: QRP mit 5 Watt aus dem IC-705 und dann mit 100 Watt, wenn die MLA-100 dahinter mitläuft. Beides ging ins Log. Dass 100 Watt leichter gehen, weiss jeder, aber es ist etwas anderes, den Unterschied am selben Tisch nacheinander zu hören.

IC-705, MLA-100, MacBook mit HAM-Tools
IC-705, MLA-100, MacBook mit HAM-Tools

Marks Lab599 hängt am Mac

Mark HB9DRN hatte seinen Lab599 dabei, und den wollte ich schon länger an HAM-Tools sehen. CAT-Kabel rein, Rig auswählen, Frequenz und Mode laufen sauber ins Log. Der Test war kurz und unspektakulär, und genau so soll ein CAT-Test sein. Ein Gerät mehr, das ich mit gutem Gewissen in die Liste der unterstützten Transceiver schreibe.

Zwischendurch lief auf dem MacBook das FreeDV-Modul mit, das seit dieser Woche in der App ist. Auf 20 m waren am Samstag ĂĽber dreissig Stationen im Reporter unterwegs, die meisten aus den USA, zwei aus Griechenland, einer aus Japan. Gefunkt haben wir damit nicht, angeschaut schon.

FreeDV Reporter in HAM-Tools und der FreeDV-Client daneben
FreeDV Reporter in HAM-Tools und der FreeDV-Client daneben

Tobis GainMaster und die kleine Albrecht

Tobias HB9HTZ hat am Samstag eine GainMaster hochgezogen, eine Vertikal für 11 m. CB-Funk am Amateurfunk-Treffen, und ich stand dabei und habe gegrinst, weil ich vor zwei Wochen erst meine Albrecht AE 5900 vorgestellt habe. Also die Kleine an die grosse Antenne, und siehe da: Sie macht ihre Sache. Wer die Albrecht bisher nur an einer Magnetfussantenne kannte, hört an einer richtigen Vertikal ein anderes Band.

Der Abend

Ab dem späten Nachmittag verschob sich der Betrieb vom Funktisch zum Grill. Dann sass man unter dem Vordach, das Funkgerät lief leise weiter, irgendwer nahm zwischendurch das Mikrofon in die Hand, und die Gespräche gingen dahin, wo sie bei uns immer hingehen: alte Geschichten, neue Projekte, wer welches Gerät als Nächstes kauft und ob das die Familie weiss.

Was mir am Sonntagmorgen beim Zusammenpacken durch den Kopf ging: Wir haben an diesem Wochenende keinen Rekord aufgestellt, keinen Contest gewonnen und keine neue DXCC-Entität ins Log gebracht. Wir haben in Wohnmobilen geschlafen, Antennen verglichen, Mails über Kurzwelle geschickt und viel gelacht. Das ist der Grund, warum es diesen Verein gibt.

Samstagnachmittag unter dem Vordach
Samstagnachmittag unter dem Vordach
Der Womo-Park bei Regen
Der Womo-Park bei Regen

Was bleibt

Ein paar Punkte nehme ich für mich mit. Das WSPR-Modul braucht die saubere Vergleichsmessung, mit gleicher Zeit und gleichem Band und mehreren Durchgängen. Die Winlink-Geschichte aus dem Womo schreibe ich, sobald ich ein paar Sessions mehr im Log habe. Und den Lab599 trage ich in die Liste der getesteten Geräte ein.

Und das nächste Treffen? Wir reden schon darüber. Wenn Du Mitglied bei uns bist und dieses Mal nicht dabei sein konntest: Beim nächsten Mal stellen wir Dir einen Stuhl unter das Vordach.

73 de Chris, HB9HJI

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